" Du kannst es schaffen, gieb dich nicht auf! "

27.12.2011 Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau

 „Du kannst es schaffen, gibt dich nicht auf!“ In Mahlow finden Menschen vorm Abgrund den Weg ins Leben zurück – dank der Hilfe des Sozialwerkes Ichthys

Wenn nichts mehr geht: Zu den professionellen Helfern nach Mahlow kommen Menschen, die abhängig sind.

Von Gudrun Ott

MAHLOW/WALDBLICK 20 Valium, zwei Flaschen Martini, vier Flaschen Wein und zwei Gramm Koks, das war das Tagespensum des heute 51-Jährigen, als er vor 18 Jahren zum christlichen Sozialwerk Ichthys, dem Verein für Abhängigenhilfe, nach Mahlow kam. Abgemagert bis auf die Knochen. Ein menschliches Wrack am Rande des Abgrunds.

Seine Arbeit hatte er längst verloren, seine Freunde auch. Die Familie hatte ihn aufgegeben. Dass er den Weg ins Leben zurückfand, sich eine neue Existenz aufbauen und all seine während der Sucht angehäuften Schulden abbezahlen konnte, davon erzählte der Mann an den Feiertagen bei Ichthys in der Arcostraße.

Heute ist er Testfahrer in Sindelfingen, engagiert sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit. Sein Beispiel soll dem 55-jährigen alkoholkranken Schlosser aus Potsdam, der bereits sieben Entgiftungen hinter sich hat, dem 44-Jährigen aus Barcelona, der heroinabhängig war, und all den anderen hier, Mut machen.

„Du kannst es schaffen, gib dich nicht auf.“

Norbert Dennewill, Mitbegründer von Ichthys, spricht aus eigener Erfahrung. Er kommt aus dem Milieu. Der 57-Jährige weiß, wie ein Gefängnis von innen aussieht. Aus Dankbarkeit, weil es ihm gelang, den Teufelskreis mit Hilfe anderer zu durchbrechen, hilft er seitdem anderen.

Mit Pastor Thomas Vollenweider verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Vollenweider ist Schweizer und der erste Vorsitzende des Vereins Christliches Sozialwerk. Seine Frau, Esther, ist Küchenchefin in der Einrichtung in Mahlow. Für sie ist der Beruf Berufung. Sie kocht, ganz in der Tradition von Mutter und Großmutter, sehr gehaltvoll. Kartoffelklöße und knusprige Enten, süß-fruchtigen deutsch-schweizerischen Nachtisch gab es am ersten Feiertag. „Menschen, die zu uns kommen, denen wollen wir eine Brücke bauen“, sagt Vollenweider und „die wenigsten sind Christen. Aber manche finden zum Glauben, weil sie Vorbilder kennen lernen.“

Seit dem Gründungsjahr arbeitet Thomas Krauel hier als Sozialarbeiter. Er weiß, hilfesuchende Menschen kommen aus allen Berufsgruppen, aus allen sozialen Schichten. Vor allem aber aus sozialschwachen Familien. Weil die innere Vereinsamung wächst, nehmen Mehrfachstörungen zu.

„Wenn ich meinem Kind 50 Euro schenke, statt ihm 50 Stunden meiner Zeit zu geben, dann ist das keine Liebe“, sagt er, denn, „50 Euro sind keine Liebe.“

Ichthys bedeutet im Griechischen Fisch. Fisch steht für Leben und war früher das Geheimzeichen der verfolgten Christen. Die Einrichtung in Mahlow bietet vollstationäre Unterbringung und ambulante Betreuung. Einzelgespräche, Gruppentherapie sowie ein strukturierter Tagesablauf gehören dazu. Für immer mehr Menschen ist Ichthys zur Hoffnung geworden. „In einer konsumorientierten Gesellschaft, in der sich die Spirale schneller und schneller dreht, nehmen zwangsläufig Ängste und damit Sucht- und Persönlichkeitsstörungen zu“, sagt der 52 Jahre alte Sozialarbeiter.

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