Ohne Hilfe wächst Rückfall-Gefahr prävention Separat, geräumig, einladend – Ichthys-Beratungsstelle erhält ein neues Domizil

22.10.2010 Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau

Mit dem zunehmenden Spaß an Glücksspielen steigt auch die Zahl von Spielsüchtigen – und der Handlungsdruck in der Beratungsstelle in Mahlow.

Von Elke Höhne

MAHLOW Die Handwerker sind noch fleißig zugange. Frische Farben an den Wänden und neue Fußbodenbeläge künden aber davon, dass sie nicht mehr lange in der Arcostraße in Mahlow zu tun haben.

„Wir wollen so schnell wie möglich einziehen“, sagt Katrin Dennewill. Die Ärztin und Mitarbeiterin im Christlichen Sozialwerk Ichthys verbirgt ihre Ungeduld nicht. Egal, ob noch Restarbeiten zu erledigen sind – fest steht für sie: „Am Montag findet hier die erste Gruppenveranstaltung – Raucherentwöhnung – statt.“ Längst war es überfällig, dass die Beratungsstelle von Ichthys neue Räume erhält.

Bislang mussten sich die drei Fachkräfte im Wohnheim für Menschen in besonderen Lebenslagen nebenan ein Zimmerchen teilen. „Mit mehr Platz können wir auch unsere Angebote wesentlich besser umsetzen“, ist Katrin Dennewill überzeugt. Zudem biete das neue Domizil im separaten Haus nebenan einen besseren Rahmen, um die Gespräche vertraulich und individuell durchzuführen. Zu tun gibt es genug in der täglich geöffneten und für alle offenen Suchtberatungsstelle, die seit 1993 mit Abhängigen oder auch Suchtgefährdeten und deren Angehörigen arbeitet.

„Unsere Einrichtung ist zuständig für die Grundversorgung im nördlichen Teil des Landkreises, und die Nachfrage steigt“, sagt die Ärztin. Von Krisenintervention, Nachsorgebehandlung nach einer stationären Entwöhnungsbehandlung über Unterstützung von Selbsthilfegruppen, Begleitung bei ambulanten Entzügen bis zu MPU-Vorbereitung nach Führerscheinentzug reicht die Palette. „Wir haben gut zu tun, weil wir auch ein immer breiteres Spektrum anbieten müssen“, bestätigt Susann Gnielka. So nehme die Essstörung an Bedeutung zu, aber auch die Betreuung nach der Therapie, die die Betroffenen in winzigen Schritten in die Selbstständigkeit führen soll. „Ein plötzlicher Abbruch von begleitender Hilfe ist oftmals ein Grund für einen Rückfall“, weiß die Therapeutin, die mit ihren Mitstreitern deshalb auch im Strafvollzug tätig ist, aber auch Bewohnern von den Ichthys-Außen-Wohngemeinschaften zur Seite steht.

Im Moment, so erzählt die erfahrene Therapeutin und Sozialarbeiterin, kümmert sich die Einrichtung in Mahlow als eine der Schwerpunktberatungsstellen im Land Brandenburg besonders um eine frühere Intervention beim Glücksspiel. Zwar sei der Alkohol immer noch die Droge Nummer 1, aber der Konsum zum Beispiel von Cannabis spiele auch in sehr behüteten Kreisen zunehmend eine Rolle in der Region. Von wegen „gesunde Droge“, sagt Susann Gnielka. „Die psychischen Auswirkungen werden unglaublich unterschätzt“, weiß die Expertin von schlimmen Folgen auf das Gehirn. Außerdem erschrecke sie, wie Spielsucht verharmlost werde. „Das Glücksspiel nimmt rasant zu“, warnt sie vor Ahnungslosigkeit und Arglosigkeit, die ganz schnell nicht nur in eine Schuldenfalle, sondern zu einer bösartigen Abhängigkeit führten.

Dass immer mehr vor allem junge Leute süchtig werden, sei vor allem einem enormen Informationsdefizit geschuldet. Würden sie vorher aufgeklärt – ebenso wie Eltern, Lehrer, Erzieher – würde so manch einer nicht in „solche Geschichten“ hineingeraten, so Gnielka. Wie sie wünscht sich auch Katrin Dennewill mehr Prävention. Doch die Gesellschaft müsste sich dazu mehr in der Verantwortung sehen und Mittel bereitstellen. „Manchmal kommt man sich nur als Feigenblättchen vor, die meiste Arbeit machen Ehrenamtliche, doch die allein können das nicht stemmen“, sagt sie.

info Die Sucht-Beratungsstelle ist geöffnet: Montag bis Donnerstag 9 bis 15 Uhr, Freitag 10 bis 15 Uhr. Termine gern bei Bedarf, Tel. 0 33 79/5 98 82.

Direkt-Kontakt

Wohnheime 03379 - 37 91 76
Beratungsstelle       - 202 78 79
E-Mail: Kontakte

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