Doch eine Garantie gibt es nicht soziales Schritt für Schritt erlernen Suchtabhängige, wieder auf eigenen Füßen zu stehen

23.10.2010 Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau

In Mahlow stehen Abhängigen alle Möglichkeiten offen, wieder für sich zu sorgen. Doch man darf sich nicht selbst belügen, sagt Rüdiger. Er ist seit 18 Monaten trocken.

Von Elke Höhne

MAHLOW Der jüngste Bewohner im Heim für Menschen in besonderen Lebenslagen ist sechs Monate alt. Kay-Logan heißt der Wonneproppen und sorgt für gutes Klima. Denn für die rund 35 Menschen, die in der Arcostraße wohnen und auf Therapie warten, ist so ein Knirps etwas ganz Besonderes.

„Der bringt allen Sonne ins Herz“, sagt Norbert Dennewill. Der Ichthys-Projektleiter weiß zu berichten, dass knallharte Kerle in Gesellschaft von Kindern butterweich werden können. Die Heiminsassen – zumeist „Knackis“ und „Alkis“ – werden vom Christlichen Sozialwerk an die Hand genommen, um wieder den Anschluss an ein geregeltes Leben zu finden.

Das will auch Beate. Seit August wohnt sie mit Kay-Logan im Übergangswohnheim für Suchtkranke und wartet auf die Entwöhnung. Alkohol rühre sie nie mehr an, betont die Frau aus Bad Freienwalde. „Ich hab’ hier Ablenkung, Arbeit, Gespräche und komme nicht in Versuchung“, betont die 36-Jährige. „Ich will es schaffen, ein Rückfall reicht“.

Rüdiger hat es fast geschafft. 18 Monate trocken sei er, seit acht Monaten lebe er unter dem Ichthys -Dach, seit Oktober in einer Außen-WG. „Und nächste Woche fange ich als Glas- und Gebäudereiniger an zu arbeiten“, erzählt er stolz. Der normale Alltag ist zum Greifen nah. „Ohne das Team hier hätte ich es nicht geschafft“, betont er. Und: „Man darf sich nicht selbst belügen“. Rüdiger hat die vielen kleinen Schritte gemeistert, um die Sucht zu besiegen. Wie jene anderen, die einen körperlichen Entzug hinter sich haben und eine Entwöhnungsbehandlung anstreben und in Mahlow Hilfe erhalten. Dort arbeitet man mit vielen Behörden und vor allem mit dem Landkreis eng zusammen und legt großen Wert auf die „Nachsorge“. Denn Selbstständigkeit muss schrittweise wieder erlernt werden. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

Dennewill, früher selbst „ganz unten“ gewesen, setzt auf das Gute im Menschen. „Wir sind anerkannte Einrichtung für ,Therapie statt Strafe’“, erzählt er. Manchmal würde er am liebsten „seine“ Leute schütteln, wachrütteln. „Manche sehen das Projekt nicht als Chance, dabei steht ihnen alles offen, das will ich vermitteln“, sagt er. Auch Harald tat sich damit schwer. Nach drei Jahren Haft erhielt der junge Mann mit mieser Kindheit von der Richterin die Chance, sich den Therapieregeln unterzuordnen.

„Der ist unheimlich talentiert“, sagt Dennewill und zeigt auf die Wand, die das Heim von der Straße trennt. „Halt finden“ und „Gestützt werden“ hat Harald da auf den Mauerrest der ehemaligen Grenzerkaserne gesprüht. Und der Projektleiter sagt: „Genau. Das ist es!“

Direkt-Kontakt

Wohnheime 03379 - 37 91 76
Beratungsstelle       - 202 78 79
E-Mail: Kontakte

Spenden!

Anmelden


Passwort vergessen?
ichthys_frontal_blur