Wenn der Führerschein weg ist

24.11.18 Mahlow

Quelle: MAZ von Christian Zielke

Für viele ist der Führerschein ein Stück persönlicher Freiheit. Häufig ist die Lizenz zum Autofahren unverzichtbar, weil etwa der Arbeitsplatz davon abhängt.

Image 3 MPU MAZ
Foto: Christian Zielke

"Wir wollen den Leuten vermitteln, dass ein Leben ohne Rauschmittel lebenswert ist."

Franziska Weise

Eine Fahrt unter Alkohol oder Drogen kann ausreichen, um den Lappen“ zu verlieren. Wer ihn wiederhaben möchte, muss sich meist einer Medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen.

„Beim Wort MPU denken viele an psychologische Tricks, unüberwindbare Hürden und andere Horrorgeschichten,doch das ist ein Klischee“

, erklärt Franziska Weise.

Die Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin beim christlichen Sozialwerk Ichthys in Mahlow berät Menschen,die wegen Alkohol oder Drogen am Steuer ihren Führerschein abgeben und zur MPU antreten müssen. Am Dienstag bietet Ichthys eine Informationsveranstaltung dazu an. "Eine gute Vorbereitung ist sehr hilfreich“,sagt Franziska Weise.

Fast die Hälfte der unvorbereiteten MPU-Teilnehmer fallen durch.

„Das liegt nicht daran, dass die Prüfer einen in die Pfanne hauen wollen“,sagt die Therapeutin. Vielmehr durchschauen die Prüfer genau, ob die Klienten sich mit ihrem Rauschmittelkonsum auseinandergesetzt haben. „Wir machen den Leuten klar, dass die Prüfer ihre Verbündeten sind, weil nur sie ihnen wiederzum Führerschein verhelfen können“, sagt Franziska Weise.

MPU Prüfer wollen herausfinden, ob jemand regelmäßig trinkt oder Drogen nimmt oder ob es sich um einen Ausrutscher handelte. Dazu wird der Körper nach Suchtstoffen untersucht, ihre Stresstoleranz, Reaktionsfähigkeit und Intelligenz getestet. Die größte Angst haben die meisten vor dem psychologischen Gespräch.

„Plötzlich ist da jemand,der über mich bestimmt“, erklärt Ichthys-Therapeutin Kitty Lüdtke über die Vorbehalte.

"Meist erkennen die geschulten Experten genau, wer die Wahrheit„

Den Führerschein zurück zu bekommen sei ein wichtiger Motivationsfaktor; es soll jedoch nicht der einzige sein. Diejenigen, die im Straßenverkehr auffällig geworden sind, müssten lernen, mit Rückschlägen klarzukommen, ohne wieder zur Flasche oder zur Droge zu greifen.

Die Akzeptanz von Regeln  im Straßenverkehr, aber auch im ganz normalen Leben – sei ein wichtiger Punkt bei der MPU. Das Ichthys-Team möchte Menschen, die eine Anordnung zur MPU bekommen haben,auf diesen Prozess vorbereiten und Ängste abbauen.

Zahlen aus den Landkreisen

Die Zahl der alkoholbedingten MPU Anordnungen ist seit Jahren rückläufig.Zugleich steigt der Anteil der Fahrten unter Drogen.Im Jahr 2017 mussten in Teltow-Fläming 299 Autofahrer zur MPU.

2013 lag die Zahl noch bei 472. In Dahme-Spreewald gab es 2017 164 MPU-Anordnungen.

2013 waren es 224.

Zu den Ursachen sowie zu Altersgruppen und der Durchfallquote erheben die Straßenverkehrsämter beider Landkreise keine gesonderte Statistik

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